Allergologie und Berufsdermatologie

Allergologie und Berufsdermatologie PD Dr. med. Kristine Breuer

Die Häufigkeit von Allergien hat in den westlichen Industrienationen in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass das Aufwachsen auf einem Bauernhof Kinder vor Allergien schützt. Umweltfaktoren spielen also bei der Entstehung von Allergien eine wichtige Rolle – ein Zuviel an Hygiene erhöht anscheinend das Allergierisiko. Bedeutsam sind darüber hinaus Erbfaktoren, so erhöht sich das Erkrankungsrisiko eines Kindes, wenn seine Eltern Allergiker sind.

Allergien sind keine Befindlichkeitsstörungen. Aus einem Heuschnupfen kann ein Asthma werden, Menschen, die an einer Nahrungsmittelallergie, einer Insektengiftallergie oder einer Arzneiunverträglichkeit leiden, können lebensgefährliche Reaktionen entwickeln („anaphylaktischer Schock“). Bei Kontaktallergien gegenüber Kontaktstoffen des täglichen Lebens (z.B. Duftstoffe) ist es meist schwer, den auslösenden Allergenen aus dem Weg zu gehen.

In der Allergiesprechstunde werden wir zunächst in einem Gespräch mögliche Auslöser Ihrer Beschwerden eingrenzen. Es schließen sich allergologische Testungen an. Neben dem Hauttest (Pricktest, Epikutantest) können bei manchen allergologischen Erkrankungen Bluttests (IgE-Bestimmung) eingesetzt werden. Ein neuer diagnostischer Ansatz zielt auf die Bestimmung von IgE-Antikörpern gegen Einzelallergene („komponentenbasierte / molekulare Diagnostik“).

Sind die Auslöser der Beschwerden identifiziert, so beraten wir Sie individuell zur weiteren Therapie und zur Allergenmeidung. Bei inhalativen Allergien (Heuschnupfen, Asthma) und der Insektengiftallergie ist häufig eine Hyposensibilisierung sinnvoll. Die Beratung bei Nahrungsmittelallergien führen wir in Kooperation mit Ernährungsfachkräften mit allergologischer Spezialausbildung durch.

Ein wichtiges Thema für werdende Eltern, die unter Allergien leiden, ist die Prävention von kindlichen Allergien. Wir beraten Sie gerne nach dem neuesten Stand der Wissenschaft zum Thema Allergieprävention.

Hier finden Sie eine Auswahl häufiger allergischer Erkrankungen, die wir in unserer Praxis behandeln:

Allergische Rhinitis (Heuschnupfen), spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung)

Jeder Fünfte leidet in Deutschland unter Heuschnupfen, mit zunehmender Tendenz. Und Heuschnupfen ist keine Bagatellerkrankung, viele der Betroffenen fühlen sich krank, es kann sich mit der Zeit ein Asthma entwickeln („Etagenwechsel“). Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Lebensqualität von Heuschnupfenpatienten in der Pollensaison stark eingeschränkt ist und dass die Leistungsfähigkeit abnimmt. Schulkinder schneiden laut einer Studie aus Großbritannien in der Pollensaison um gut eine Note schlechter ab als außerhalb der Saison. Was kann man also gegen Heuschnupfen tun ? Der erste Schritt sollte immer der Allergietest sein, um die verantwortlichen Allergene (z.B. Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare) zu identifizieren. Neben dem Hauttest (Pricktest) können Bluttests (IgE-Bestimmung) eingesetzt werden. Ein neuer diagnostischer Ansatz zielt auf die Bestimmung von IgE-Antikörpern gegen Einzelallergene („komponentenbasierte / molekulare Diagnostik“). Die Hyposensibilisierung kann so individuell auf das Allergieprofil des Patienten abgestimmt werden. Bei der Therapie des Heuschnupfens sollte zweigleisig verfahren werden: Die symptomatische Therapie mit Antiallergika (Antihistaminika, kortisonhaltige Nasensprays) zielt darauf ab, die Beschwerden in der Pollensaison zu lindern. Parallel sollte, wenn keine Gegenanzeigen bestehen, eine Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Dies ist die einzige Behandlungsmöglichkeit, die an den Ursachen der Erkrankung ansetzt; die auslösenden Allergene werden als Therapeutika eingesetzt, das Immunsystem „gewöhnt“ sich an das Allergen. Die Hyposensibilisierung kann mit Injektionen (subkutane Immuntherapie) oder Tabletten / Tropfen (sublinguale Immuntherapie) erfolgen. Die Behandlung mit Tabletten oder Tropfen kann auch noch zu Beginn oder während der Pollensaison begonnen werden. Neuere Untersuchungsergebnisse zeigen, dass subkutane und sublinguale Immuntherapie noch über das Therapieende hinaus wirksam sind. Bei der Auswahl des Präparates für die spezifische Immuntherapie muss darauf geachtet werden, dass die Wirksamkeit in wissenschaftlichen Untersuchungen geprüft wurde. Die spezifische Immuntherapie sollte daher immer von einem in der spezifischen Immuntherapie erfahrenen Allergologen durchgeführt werden. In unserer Praxis werden ausschließlich Allergenextrakte für die Hyposensibilisierung eingesetzt, deren Wirksamkeit und Sicherheit in klinischen Studien nachgewiesen wurde.

Kontaktallergie (Allergisches Kontaktekzem)

Intensiver Hautkontakt mit Stoffen aus dem täglichen Leben – z.B. mit Nickel in Modeschmuck, mit Duftstoffen oder Konservierungsmitteln in Kosmetika oder in Berufsstoffen (Berufliche Kontaktallergie) – kann bei manchen Menschen Hautentzündungen auslösen.

Mithilfe des Epikutantests („Pflastertest“) können die schuldigen Allergene identifiziert werden: Verdächtige Allergene werden unter Pflastern auf die Haut aufgebracht und verbleiben dort 1-2 Tage. Im Anschluss an den Allergietest erhalten Sie einen Allergiepass und werden beraten, wie Sie die auslösenden Allergene zukünftig meiden können. Ein allergisches Kontaktekzem kann mit entzündungshemmenden Wirkstoffen in Cremes oder Salben zur Abheilung gebracht werden. Der Kontakt zu den auslösenden Allergenen sollte vermieden werden, da es ansonsten zu einem Wiederaufflammen von Entzündungen an der Stelle des Hautkontaktes kommen kann.

Berufliches Kontaktekzem / Handekzem 

Kontaktekzeme können durch die berufliche Tätigkeit ausgelöst werden und betreffen meist die Hände. Das Arbeiten im feuchten Milieu, wie z.B. bei Reinigungskräften, führt zu einer Schädigung der Hautbarrierefunktion und zu Hautentzündungen, das Resultat ist ein irritatives Kontaktekzem („Abnutzungsekzem“). Berufliche allergische Kontaktekzeme entstehen durch den intensiven Hautkontakt mit Berufsallergenen; dem allergischen Kontaktekzem geht oft ein Abnutzungsekzem (s.o.) voraus. Berufsallergene können z.B. Konservierungsmittel in Arbeitsstoffen, Inhaltsstoffe von Farben, Lacken und Klebstoffen, Inhaltsstoffe in Gummiprodukten u.v.m. sein.

Hautschäden und Kontaktallergien durch den Beruf können mithilfe eines beruflichen Hautschutzkonzeptes weitestgehend vermieden werden. Hierunter versteht man auf den Beruf abgestimmte Hautreinigungsmittel, Hautschutzcremes, Hautpflegecremes und Schutzhandschuhe. Wir beraten Sie gerne. Ist ein berufliches Kontaktekzem entstanden, ist der zuständige Kostenträger die gesetzliche Unfallversicherung (Berufsgenossenschaften, Unfallkassen), bei der jeder Arbeitnehmer über den Arbeitgeber versichert ist. Die Unfallversicherung trägt nicht nur die Kosten für die Behandlung (darunter fallen auch die Hautpflegecremes), sondern bietet Ihnen die Teilnahme an Hautschutzseminaren und, bei fortgeschrittenen Ekzemen, an speziellen Heilverfahren an. Sofern Sie einverstanden sind, teilen wir Ihrem Unfallversicherungsträger mit, dass Sie an einer beruflichen Hauterkrankung leiden, damit Sie die Leistungen der Berufsgenossenschaft in Anspruch nehmen können.

Urtikaria (Nesselsucht)

Die Urtikaria (Nesselsucht) ist eine Hauterkrankung, die mit Quaddeln und quälendem Juckreiz einhergeht. Klingt eine Nesselsucht nicht innerhalb von 6 Wochen von alleine wieder ab, spricht man von einer „chronischen Urtikaria“. In diesem Fall sollte eine Diagnostik auf möglicherweise auslösende Ursachen erfolgen. Ursachen einer chronischen Nesselsucht können z.B. Entzündungen im Körper, innerliche Erkrankungen oder, sehr selten, Allergien sein.

Die Behandlung erfolgt in erster Linie mit Antihistaminika, die bei der Nesselsucht meist höher dosiert werden müssen als beim Heuschnupfen. Wird hierdurch keine Beschwerdefreiheit erreicht, ist die Behandlung mit einem Biologikum (Omalizumab = anti-IgE-Antikörper) angezeigt. In den allermeisten Fällen führt dies zu einer deutlichen Beschwerdebesserung bzw. Beschwerdefreiheit.

Allergien sind keine Befindlichkeitsstörungen. Aus einem Heuschnupfen kann z. B.  Asthma werden.

Durch eine Hyposensibilisierung gewöhnt sich der Körper an das Allergen – der Sommer kann wieder genossen werden.

Der Pricktest wird bei Heuschnupfen und Nahrungsmittelallergien durchgeführt.

Mithilfe des Epikutantests („Pflastertest“) können die schuldigen Kpntaktallergene identifiziert werden.

Bildquelle: ALK / www.allergiecheck.de